Concepción Cabrera de Armida, allgemein bekannt als „Conchita“, („ch“ wird im Spanischen als [tsch] gesprochen) wurde am 8. Dezember 1862 in San Luis Potosí, Mexiko, geboren. Nach einer lebhaften Kindheit heiratete sie 1884 ihren langjährigen Verlobten Francisco Armida. 17 Jahre später starb ihr geliebter Ehemann und ließ sie mit acht Kindern zurück - ein Sohn war bereits mit sechs Jahren gestorben.
Conchita schrieb viele Seiten von beachtenswerter christlicher Lehre und erfüllte somit den Auftrag, den sie im Alter von 27 Jahren in ihrem Innern vernahm: „Dein Auftrag ist es, Menschen zu retten“.
Sie starb am 3. März 1937; ihr Leben hat sie für die Erneuerung der Kirche hingegeben.
Conchita erkannte, dass es gerade auch als verheiratete Frau und Mutter von neun Kindern möglich ist, eine intensive Beziehung zu Gott zu pflegen. Ihr Heiligsprechungsprozess wurde bereits vor einigen Jahren eingeleitet. Ihr Leben soll Beispiel sein für all jene, die ihre christliche Berufung in Ehe und in der Familie zu leben versuchen.
Allzu viele Jahre meinte man, dass eine intensive und lebendige Beziehung zu Gott Ordensleuten und Priestern vorbehalten sei. Jedoch sind alle Menschen eingeladen, die christliche Botschaft in ihrem ganz persönlichen Umfeld zu leben. Alle Getauften sind dazu aufgerufen, ihr Leben am Beispiel Christi auszurichten.
Die Kirche von heute braucht überall Menschen, die den Glauben lebendig werden lassen - nicht nur in den Klöstern oder Kirchen, sondern besonders in den Familien, im Alltag, im Berufsleben - in jeder Form menschlichen Lebens.
Gott hat uns durch Conchita eine neue Art von „Heiligkeit“ gezeigt, die für jeden, insbesondere auch für Laien zugänglich ist.
Conchita führte ein einfaches und frohes Leben in der Mitte ihrer Familie. Obwohl Conchita nach außen hin ein ganz normales Leben führte, verbarg sich tief in ihrem Herzen ein große Sehnsucht, Christus mehr und mehr ähnlich zu werden. Sie liebte die Kirche mit Leidenschaft und gab sich dieser ganz hin. Damit war sie ihrer Zeit weit voraus. Denn im II. Vatikanum wurde in einem eigenen Dekret über die besondere Bedeutung der Laien für die Kirche gesprochen.
Sie blieb eine einfache und bescheidene Frau und dennoch gab sie nicht nur den Anstoß für zwei Laienorganisationen, sondern auch für zwei Ordensgemeinschaften, sowie für eine Bruderschaft für Priester, diese fünf Vereinigungen werden die „Fünf Werke vom Kreuz“ genannt. Conchita hinterließ uns ein Erbe, eine Botschaft, in dessen Mitte das Kreuz Christi steht, wobei die Betonung nicht auf dem Leiden, sondern auf der Erlösung durch die Liebe liegt.
Zwei Aspekte in Conchitas Leben verdienen unsere Aufmerksamkeit. Die Art des Lebens, das sie in ihrer Familie führte und die Tiefe ihrer geistlichen Lehre.
Conchita wurde in der Zeit der mexikanischen Revolution geboren. Deshalb ist es notwendig, sie in ihrer Umwelt zu sehen, in einem Land, geprägt von Gewalt, gesellschaftlichen Gegensätzen und lebendiger christlicher Tradition. Auch in ihrem ganz persönlichen Leben ist ein vermeintlicher Gegensatz zu erkennen: ihr Wunsch, Gott ganz zu gehören wurde immer größer und doch erschien ihr Leben nach außen hin als gewöhnlich und einfach.
Conchita verbrachte ihre Kindheit und Jugend auf den Haciendas (Gutshöfe) und Ranchos. Sie liebte es mit Freunden und Angestellten ihres Vaters zu schwimmen, zu tauchen und Kanu zu fahren. Ihre bevorzugte Sportart war das Reiten, sie ritt die wildesten Pferde mit Anmut. „Ich wuchs unter Männern, umgeben von meinen Brüdern auf. Ich ging mit ihnen reiten und spielte mit ihnen. Meine Brüder gaben mir den Spitznamen „die heilige Unschuld“, diese Worte machten mich rasend. „Ich erinnere mich, als ich zum 1. Mal ein Pferd bestieg und dabei abgeworfen wurde. Ich fiel zu Boden und begann zu weinen. Mein Vater beruhigte mich, gab mir ein Glas Wasser und ließ mich sofort wieder auf das Pferd steigen. Mein Vater hatte einen sehr energischen Charakter. Kein Wunder, dass ich eine gute Reiterin wurde. Ich entwickelte den Ehrgeiz, immer die wildesten und schnellsten Pferde auszusuchen. Wie viele Sünden mag ich durch diese dumme Eitelkeit wohl begangen haben? Ich wollte immer beweisen, dass ich im Umgang mit Pferden sehr geschickt war. Möge Gott mir verzeihen.“
Besonders angetan war sie von Musik und Gesang, sie besaß eine schöne Stimme. Später komponierte sie sogar einige Lieder und begleitete sie während des Singens auf dem Klavier. Sie war hübsch und bis ins hohe Alter bekannt für ihre faszinierenden Augen, von denen jemand sagte, sie hätten einen Glanz der Ewigkeit.
Conchita war gerade 13 Jahre alt, als der Gouverneur ihres Bundesstaates sich in sie verliebte. Immer wenn sie ausritt, versuchte er sich mit ihr zu treffen. Conchita lachte nur über seine Bemühungen. Auch 22 weitere Bewerber fanden die Aufmerksamkeit Conchitas nicht. Sie hatte sich bereits für den Mann entschieden, den sie heiraten und dem sie treu sein wollte. Sie liebte ihn von ganzem Herzen und bewunderte ihn wegen seiner Güte, seiner Aufrichtigkeit und seiner christlichen Lebenseinstellung. In ihrem ganzen Leben sollte es keine weitere Liebe mehr als diese geben.
Die innere Stärke Conchitas ist auffallend. Bereits als junges Mädchen betete sie viel und fühlte sich stark zu Gott hingezogen. Als Erwachsene bemühte sie sich, ihren Mitmenschen die befreiende Botschaft des Kreuzes Christi nahe zu bringen. In ihrem Tagebuch lässt sich erkennen, wie sich ihr Wesen durch ihre natürliche Veranlagung und durch die Gnade Gottes entfaltete.
Conchita liebte ihren Verlobten und sie liebte Gott. Die Liebe zu ihrem späteren Ehemann war nie ein Hindernis für ihre tiefe Beziehung zu Gott. „Wie oft“, so schreibt sie, „träumte ich, wenn ich mit meinem Vater oder meiner Schwester ausritt, dass ich mich in eine Höhle zurückziehen würde. Ich träumte von einem Leben in den Bergen, weit weg von Menschenansammlungen, um für die Erlösung aller Menschen zu beten. Dort, wo mich niemand stören und sehen würde; wo ich leben könnte, wie ich wollte. Diese Idee begeisterte mich; ich bewahrte sie tief in meinem Herzen.“
Mit besonderer Feinfühligkeit spricht Conchita von ihrer ersten Freundschaft mit Pancho, ihrem Verlobten.
„Am 16. Januar 1876 machte er mir auf einem Familienfest einen Heiratsantrag und ich sagte ja. Er sagte mir, wie sehr er leiden und wie schlecht er sich fühlen würde, wenn ich seine Liebe nicht erwiderte und seinen Antrag nicht annähme. Er sagte noch vieles mehr, was mich sehr bewegte. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine solche Zuneigung auslösen könnte. Mein Herz schlug voll Freude. Es war etwas völlig Neues für mich, dass jemand leiden könnte, wenn ich ihn nicht lieben würde. Sofort sagte ich ihm, dass ich ihn liebte und dass es sich nicht lohne, wegen so einer Kleinigkeit zu leiden. Als ich nach Hause ging, war ich sehr besorgt und hatte Angst. Ich untersagte Pancho mir zu schreiben und bat ihn, mich nicht mehr so oft zu besuchen, da meine Leute zu recht meinten, ich sei noch zu jung. Unsere Verlobungszeit dauerte neun Jahre. Ich muss sagen, dass Pancho nie meine Unerfahrenheit ausnützte. Er verhielt sich immer korrekt und voller Respekt. In meinem ersten Brief an ihn versuchte ich bereits, ihn Gott näher zu bringen. Es war für mich eine große Befriedigung zu sehen, dass er sich auf eine natürliche Weise zu Gott hingezogen fühlte. Ich sprach mit ihm über ein christliches Leben, über die Liebe zu Maria usw. Er schrieb mir religiöse Gedichte und wunderschöne Texte aus dem Buch „Die Nachfolge Christi“. Ab diesem Zeitpunkt habe ich immer Sorge für seine Seele getragen. Als er im Sterben lag, sagte er „Conchita, ich werde sterben“. „Nein, sagte ich, du wirst Gott sehen“. Ich bereitete ihn auf den Tod vor und blieb bei ihm bis zu dem Augenblick, in dem er seine Seele seinem Schöpfer zurückgab. Er starb im Glauben an Gott einen würdigen Tod. Gott sei für alles gedankt!“
Conchita und Pancho waren sehr glücklich zusammen. Ihre Liebe zueinander wuchs mit der Liebe zu Christus. Die Ehe ließ Conchita in ihrer Liebe und Treue zu Gott wachsen. Ihre Gebete gewannen an Tiefe und sie brachte Gott ihr alltägliches Leben dar.
Manchmal war das Verhältnis zwischen ihr und der Familie ihres Mannes etwas gespannt. Conchita ertrug dies alles in christlicher Nächstenliebe. „Meine Beziehung zu Gott wurde enger und ich wartete... Täglich ging ich zur Kirche, um die heilige Kommunion zu empfangen. Das Gebet wurde mir immer wichtiger. Ich brachte mein Leben in das Gebet ein, ich betete öfter und erfuhr Gottes Anwesenheit immer stärker. Es war als ob der Himmel sich öffnete, damit die Gnade in meine Seele regnete.“
Zudem teilte Conchita ihre Gedanken stets ihrem geistlichen Begleiter mit. Ihr Ehemann wendete bezüglich ihrer Frömmigkeit nie das Geringste ein. Auch als sie im mystischen Gebet bereits sehr fortgeschritten war, respektierte er ihren Weg.
Conchita war eine sehr bodenständige und praktisch orientierte Frau. Als sie sah, wie die Tiere auf der Hacienda das Brandzeichen ihrer Beisitzer eingebrannt bekamen, wollte auch sie durch ein unauslöschliche Symbol ihre Zugehörigkeit zu Gott sichtbar zum Ausdruck bringen. Daher brannte sie sich am 14. Januar 1894 – sie war 31 Jahre alt – auf ihrer Brust die Buchstaben JHS ein. Auf diese außergewöhnliche Handlung folgten unzählige göttliche Gnaden. Und sie erkannte die Geheimnisse der Menschwerdung, des Heiligen Geistes und des Kreuzes. Gott ließ sie Zukünftiges erkennen: eine endlose Prozession von Gläubigen, eine geistliche Familie von Männern und Frauen. Sie wurde davon so stark erfasst, dass sie zu Boden fiel. Sie blieb ausgestreckt liegen und brannte innerlich vor Eifer: „Ich weiß nicht, wie lange ich dort lag und für die Erlösung der Menschen betete.“
Conchitas Ehemann wusste nichts Genaues von ihrem tiefen geistlichen Leben. Er sah sie oft beim Schreiben, las aber nie eine Zeile ihres Tagebuches. Mit einem Lächeln sagte er einmal zu Conchita, „Du schreibst über mystische Dinge. Davon verstehe ich nichts.“ Conchita machte davon auch kein Geheimnis oder versteckte ihr Tagebuch nicht vor ihrem Mann. Ihre Beziehung war von starkem Vertrauen zueinander geprägt. Sie gingen gemeinsam ins Theater oder zum Tanzen, da Francisco nie alleine gehen wollte. Conchitas Leben war dem anderer Ehefrauen sehr ähnlich. Gott hielt immer seine Hand über sie.
Conchita war ihrem Mann und ihrer Familie stets treu. „Obwohl Pancho nicht reich war, zog ich ihn anderen Männern vor. Er war so gut. Meine Liebe zu ihm war nie ein Hindernis für meine Liebe zu Gott. ...
Seine Liebe zu mir war von Hochachtung und Zärtlichkeit geprägt. Viele Priester sagten mir, dass Gott ihn besonders für mich ausgesucht hätte. Er war beispielhaft für einen Ehemann; er hatte viele gute Seiten.“
„Er war sehr gut, ein aufrichtiger Christ, ein Gentleman, intelligent, loyal und er hatte ein großes Herz. Er hatte gute Umgangsformen und er begegnete mir stets aufmerksam und höflich. Den Kindern war er ein ausgezeichneter Vater, sie waren seine größte Freude. Wenn sie krank waren, litt er sehr. Um mich war er immer sehr besorgt, rücksichtsvoll, einfach, aufrichtig, höflich und auf das Wohl seiner Mitmenschen bedacht.“
„Er hatte einen starken Willen und konnte bisweilen zu energisch sein, was aber im Laufe der Jahre zurückging. Er brachte mir sehr viel Vertrauen entgegen, besprach sich in geschäftlichen Angelegenheiten mit mir und fragte mich um Rat, obgleich ihm meine Meinung nicht viel weiterhalf. Er war sehr umgänglich, aber auch sehr systematisch.“
„Vom ersten Tag unserer Ehe bis zu seinem Todestag ermöglichte mir Pancho, täglich zur Messe zu gehen. Er blieb immer bei den Kindern, bis ich aus der Messe zurückkam. Selbst als er später sehr krank war, sagte er, „gehe zur Messe“. Gegenüber unseres Wohnhauses war die Kirche. Nach dem Kommunionempfang verließ ich die Messe, um schnell zu meinem Mann zurückzukehren. Als ich krank war, was sehr oft vorkam, sorgte er Tag und Nacht für mich und ließ nicht zu, dass ihm jemand dabei half.“
„Zwei Jahre vor seinem Tod hatte er das Gefühl, er würde bald sterben. Er erzählte es mir und bat mich, ihn dann auch geistlicher Hinsicht zu begleiten.“
Als junges Mädchen hatte Conchita kam sie nie auf den Gedanken in einen Orden einzutreten. In ihren ersten Ehejahren verstand sie oft nicht, warum sie diese Berufung nicht erfahren hatte, sondern zur Ehe berufen worden war. Der Grund war, dass Gott für sie eine andere Aufgabe in der Kirche bereit hielt. Sie sollte als Ehefrau und Mutter in ihrem alltäglichen Umfeld die Liebe Gottes leben. Als Jugendliche erkannte sie bereits, dass sie in der Ehe zur Heiligkeit gelangen könnte. Conchita spürte instinktiv, dass Gott sie dazu berufen habe. Sie wollte Menschen zu Gott führen, damit diese zu seiner Ehre lebten. „Herr“, sagte sie, „ich möchte heiraten. Gib mir viele Kinder, die dich lieben und dir dienen.“
Conchita war sehr glücklich über ihr erstes Kind. „Am 28. September 1885 an einem Montag um 9 Uhr abends wurde Francisco geboren. Ich brachte ihn mit ganzem Herzen Gott dar. Sein Vater fiel nach der Geburt auf die Knie, weinte vor Freude und dankte Gott.“
In ihrem Tagebuch nehmen die Kinder den ersten Platz ein. „Am 28. März 1887 kam mein Sohn Carlos zur Welt. Meine Gesundheit ließe es zu, dass ich ihn stillen konnte. Er war sehr lebhaft und intelligent. Aber er starb bereits mit sechs Jahren an Typhus, am 10. März 1893.“
Sein Tod war ein schwerer Schlag für mich. Es war, als ob mir das Herz brechen würde; ein Schmerz, den ich zuvor nicht gekannt hatte. Nach seinem Tod wollte ich nicht von seinem Bett weggehen. Als mir die Vernunft gebot es zu tun, brachte ich dieses Opfer und ging.“
„Bei Carlos’ Tod verspürte ich einen starken Impuls hin zur Vollkommenheit. Als einziges Andenken an ihn, behielt ich einen seiner Anzüge. Mein Herz hing sehr daran, bis Gott eines Tages mir das Opfer abverlangte, diesen Anzug wegzugeben. Er gab mir auch die Kraft dies zu tun, obwohl es mich in der Seele schmerzte. Nur eine Mutter kann dies verstehen. Als ich den Anzug einem armen Kind gab, spürte ich einen tiefen Schmerz, so als ob mir mein Kind erneut weggenommen werden würde.“
Gottes Wege sind geheimnisvoll und manchmal aber auch schmerzlich. Nicht anders bei Conchita. Ihr Ehemann erkrankte so stark an Typhus, dass keine Hoffnung auf Heilung bestand. In einer Beichte bereitete er sich auf den Tod vor. Seine Angst vor dem Sterben mündete in ein Sich-dem-Willen-Gottes-Überlassen. Er sagte: „Es scheint mir, dass mich meine Kinder jetzt besonders brauchen würden, aber Gott weiß es besser. Nichts anderes als sein Wille soll geschehen.“
„Ich begleitete ihn in seinem Sterben. Drei unserer Kinder waren in der Todesstunde bei ihm. Als mein Mann starb, weihte ich mich für immer Gott. Ich tat dies in der Gegenwart dessen, der mir ein guter Begleiter in meinem Leben gewesen war.“
Als Witwe achtete Conchita sehr auf eine gute Erziehung ihrer Kinder. Es sind ca. 50 Briefe, die sie an ihre Kinder schrieb, erhalten, jeder sehr ausführlich und von einer überraschenden Tiefe.
Ihre geistliche Begleiter forderten von ihr, über ihre tiefen mystischen Erfahrungen zu schreiben. Wenn sie an ihre Kinder oder ihre Familie schrieb, kam stets ihr Muttersein zum Ausdruck und sie konnte sich gut auf den Charakter und die Situation eines jeden einzelnen einstellen. In den Briefen an ihre verheirateten Söhne wies sie taktvoll, aber bestimmt auf die Gesetze Gottes und der Ehe hin.
Zwei ihrer Kinder schlossen sich einer Ordensgemeinschaft an. Ein Sohn trat bei den Jesuiten ein und Concha, zu der sie eine besonders innige Beziehung hatte, wurde Schwester vom Kreuz (der Frauenorden, den Conchita selbst gegründet hatte, wovon ihre Tochter allerdings nichts wusste). In den Briefen an diese beiden Kinder schreibt sie über die Höhen eines geistlichen Lebens. Conchita war bemüht mit jedem Menschen gut auszukommen und suchte die Einheit mit ihren Mitmenschen.
An seinen Worten kann man einen Heiligen erkennen. Lesen wir daher einige Abschnitte ihrer langen und oft spontanen Briefe an ihre Familie.
„Mein lieber Sohn, tausendfachen Segen möchte meine Liebe dir an diesem wunderschönen Tag zukommen lassen. In diesem Segen möchte ich alle Gnaden des Himmels verpacken.
Wie nur wenige Mütter habe ich die Freude, mit dir zum Altar zu gehen und dich deiner Braut zu geben. (In Mexiko ist es üblich, dass der Vater die Braut bis zum Altar führt, um dort sie ihrem Bräutigam übergibt) Du schenkst dich ihr so rein, wie du warst, als ich dich zum ersten Mal im Arm hielt. Welch eine Gnade das Sakrament der Ehe so rein wie eine Lilie, so rein wie ein Engel zu empfangen. Dies wird deinen Vater, der im Himmel ist, mehr als alles andere freuen. Er wird bei Gott für dich um eine gute Ehe bitten und dich vom Himmel aus segnen.
Du trittst nun in einen neuen Lebensabschnitt. Darin kannst du heilig werden. Schenkt euch Gott Kinder, dann kannst du sie zu seiner Ehre erziehen. Danken wir Gott für all seine Gaben.
Du warst immer ein guter Sohn. Ich hoffe, dass du ein guter Ehemann im christlichen Sinn sein wirst, würdig und liebevoll mit erhabenen Gefühlen, so wie dein Vater. So wirst du deine Braut glücklich machen. Es ist auch für sie die erste Liebe. Sie möchte ihr weiteres Leben mit deinem Leben verbinden.
Oft habe ich Gott angefleht, dir eine Frau zu geben, die dich versteht, dir hilft deinen guten Charakter zu stärken und den Samen, den ich mit viel Mühe und Opfer in dein Herz gelegt habe, aufgehen lässt. Sie wird deine Religiosität schätzen. Sie wird dich als Frau in deinem Leben begleiten, deine Tränen trocknen und dir in den vielen Sorgen eine Stütze sein. Ihre Liebe wird dich in schweren Momenten trösten und deine Unebenheiten schleifen.
Gott hat meine Gebete erhört, er weist nie die Gebete einer Mutter zurück. Du hast eine gute Frau gefunden. An diesem besonderen Tag nimmst du sie zu dir als einen heiligen Schatz. Sie wird die Mitte deines Glücks werden. Zusammen mit ihr wirst du eine christliche Familie gründen. Sie wird die Mutter deiner Kinder sein. Halte sie in Ehren, liebe sie und begegne ihr mit Respekt, so wird sie dir alles sein, was du dir brauchst.
Vermeide jeden Streit. Versuche in deinem Haus und mit ihrer Familie Frieden zu halten. Kein Opfer ist dafür zu groß. Ein Nachgeben ist besser als ein Bruch. Mit Rücksicht, Feinfühligkeit und Überlegtheit kannst du viel Ungutes vermeiden...
...Bevor ich diesen Brief zu Ende bringe, möchte ich dir noch einen Rat geben. Dieser Rat kommt von Herzen, von dem Herz, dass dich auf dieser Erde am meisten liebt.
Bewahre den Glauben, auch in den schwierigsten Momenten deines Lebens. Dein Glaube möge dir immer Schutz und Kraft sein. Erziehe deine Kinder in diesem Sinne. Hilf ihnen den Glauben zu lieben und ihn als das Größte auf Erden zu wahren...
...Lieber Pancho, achte darauf, dass in eurem Zuhause der Geist Gottes und nicht der Geist der Welt regiert. Die zu erledigenden Pflichten sollen Freude und Frieden bringen.
Vernachlässige nicht die Sakramente, egal in welchen Lebenssituationen du dich befindest. Elisa – deine zukünftige Frau - ist um ein christliches Leben in Liebe bemüht...
...Dein Glaube soll nicht nur äußerlich sein, sondern tief in deinem Herzen. Sei geduldig und habe Nachsicht mit deinen Mitmenschen. Wenn wir das Gute aus Gott annehmen, warum nicht auch das Schlechte?
Sollte ich sterben, dann bleibe deinen Geschwistern nahe. Achte auf sie, so wie es dein Vater tun würde, an dessen Stelle du stehst. Hilf ihnen ihr Leben zu gestalten und vergiss dabei nicht ihr geistliches Leben und Gott wird dich segnen.
Ich hoffe, dass Gott mich auf Erden dein Glück erleben lässt.
Liebes Kind, vergib mir, worin ich dir kein Vorbild gewesen bin und ahme mich darin nicht nach.
Ich segne dich von ganzem Herzen auch im Namen deines Vaters. Ich würde mich freuen, wenn du heute an deinem Hochzeitstag, die Uhr deines Vaters tragen würdest. Dein Vater trug sie bis zu seinem Todestag. Nimm sie als Geschenk von mir, als eine Erinnerung.
Werde glücklich in deinem Heim. Du wirst es sein, wenn du Gottes Willen tust und ihn in deinem Herzen trägst.
Deine Mutter, die dich segnet.“
Nach der Geburt von drei Söhnen sehnte sich Conchita sehr nach einer Tochter. Ihr viertes Kind war dann ein Mädchen und erhielt den Namen Concha.
Conchita schreibt in ihrem Tagebuch „Am 29. September 1890 wurde sie (Concha) geboren. Ihr Vater und ich pflegten sie mit einer besonderen Zuneigung. Wir gaben sie Gott hin, damit sie sein Eigen aus ganzem Herzen werde.
Ihr Vater hatte viel Freude an ihr und wir überhäuften sie mit Liebe. Als sie sechs Monate alt war, hätten wir sie beinahe verloren. Mit 10 Jahren schwebte sie 40 Tage erneut zwischen Leben und Tod auf Grund einer Typhuserkrankung.
Während dieser Zeit saß Conchita nachts immer bei ihr. In jenen Nächten schrieb sie mit Hilfe einer besonderen Gnade eine ganze Abhandlung über Tugenden und Untugenden. Sie schreibt über diese schwere Zeit:
„2. Juli 1900. Gestern konnte ich nicht schreiben. Ich war sehr betrübt und voller Sorge, da die Erkrankung meiner Tochter immer weiter fortschreitet. Sie empfing die Kommunion und während mein Herz voller Qual war, empfand sie Freude in ihrer Seele. Dies war ein sehr schöner Moment; aber es ist sehr schwer, das eigene Kind auf den Tod vorzubereiten.
Ich verspürte Dank und dann wieder unheimlichen Schmerz, Trost und Leid. Ich war bereit, Gott meine Tochter zurück zu schenken. Aber er verlangte dieses Opfer nicht von mir. Concha wurde wieder gesund.
Sie besaß viele Qualitäten und Tugenden, die sich langsam entwickelten. Bescheidenheit war ihre Charakterstärke. Oft konnte ich sie beobachten, wie sie sich in der Familie oder zuhause bemühte, ihre christliche Überzeugung zu leben. Mit 17 Jahren trat sie in den Orden der „Schwestern vom Kreuz“ ein.“
Dies geschah allerdings nicht ohne innere Kämpfe. Concha konnte sich schnell begeistern. Sie machte auch die Erfahrung der ersten Liebe, die allerdings schmerzlich endete. Ihre Mutter beobachtete sie, litt, betete und vertraute auf Gottes Hilfe. Conchita selbst begleitete sie auf ihrem weiteren Weg und unterstützte sie in ihrem Wunsch, Ordensfrau zu werden.
Sie wurde nach Theresia von Lisieux genannt, nämlich Theresia Maria. Ähnlich wie Theresia von Lisieux musste auch sie jung sterben, ihr Leben in Liebe hingegebend. Es ist möglich, dass sie eines Tages heilig gesprochen wird.
Ihre Mutter verfolgte sehr genau den inneren Weg dieser „Schwester vom Kreuz“. Wenn man alles, was Conchita über das hohe Ideal des geistlichen Lebens geschrieben hat, sammeln würde, wäre dies eine ausgezeichnete Abhandlung über das religiöse Leben. Viele Menschen könnten die Last kleiner Andachtsübungen und anderer Praktiken, die sie am Leben hindern, ablegen. Vielmehr würden sich ihnen vielfältige Möglichkeiten christlichen Engagements aufzeigen. Glaube zeigt sich nicht nur im Gebet, sondern drängt danach, im Alltag gelebt zu werden. Das Leben der Gläubigen ließe den Himmel, dort wo Gott alles in allem ist, erahnen.
Als Concha ins Kloster eintrat, schrieb ihr Conchita einen langen Brief.
„Mexiko, 19. April 1908
Im Kreuz ist Heil und Hoffnung.
An Concha, die Tochter meines Herzens
Du verlässt nun deine weltliche Familie und trittst in eine religiöse Gemeinschaft ein... Dieser Schritt möge dich glücklich machen. Danke Gott alle Tage deines Lebens mit ganzer Kraft dafür.
Du wirst das Leben, das du bis jetzt geführt hast, hinter dir lassen. Wende dich von ganzem Herzen Gott zu, deiner einzigen Liebe. Diese Hingabe ist außergewöhnlich. Durch Gott, mit Gott und in Gott wirst du nun immer lieben.
Erhebe deine Seele und dein Herz zu Gott, und denke daran, es war dein Herz und deine Seele, um die ich mich so sehr sorgte.
Die Hingabe an Gott soll dein Leben erfüllen, auch wenn es schmerzlich wird, weil du deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückstellen musst. Lasse nie dein Ziel aus den Augen!
Was soll ich zur Demut sagen? Jeder, der ein religiöses Leben führt, weiß um seine Schwächen und Grenzen. Je mehr du darum weißt, umso mehr wirst du wachsen. Demut bedeutet, mit deiner ganzen Person, mit deinen Stärken und Schwächen vor Gott zu treten.
Versuche im Gebet, andere Menschen in die Barmherzigkeit Gottes mit hinein zu nehmen, so wirst du eine vollkommene „Schwester vom Kreuz“. Betrachte jeden Tag einen bestimmten Aspekt von Jesus. So kannst du täglich Gott mehr von dir schenken, treu deiner Berufung.
Eine großzügige Seele, ein brennendes Herz möchten nicht nur ihre eigenen Interessen verfolgen, sondern den Weg der Liebe gehen, IHN, der die Liebe ist, lieben.
Nimm am Leben Jesu teil, lebe in seiner Gegenwart und Schönheit. Lebe in Einheit mit Gott, die dir Jesus gemäß deiner Treue schenken wird.
Meine Tochter, in der Stunde dieses Abschieds bitte ich dich von ganzem Herzen, sei großzügig. Handle nicht mit Gott, der sein Blut für dich vergossen hat, sein Leben für dich hingegeben hat. Deine Liebe zu ihm werde so weit wie sein Herz, dessen Barmherzigkeit zu dir ohne Ende ist.
Deine Liebe zu Jesus sei eine sich hingebende, eine gekreuzigte Liebe, ähnlich der Liebe des hl. Franz Xavers. „Auch wenn es keinen Himmel gäbe, würde ich dich noch lieben.“ Gott schenkte dir ein großes Herz. Lass es nie erkalten, es brennt heute so hell und klar. Liebe ihn mit all deiner Kraft, Ihn, der Liebe ist.“
Conchita pflegte ein liebevolles Familienleben. Nach dem Tod ihres Mannes widmete sie sich ganz besonders der Erziehung ihrer Kinder. Sie nahm am täglichen Leben ihrer Kinder Anteil und unterstützte jedes in seiner persönlichen Entwicklung. Darüber hinaus versuchte sie ihren Kindern, ihre eigene christliche Überzeugung mit auf den Weg zu geben. Der Zusammenhalt der Familie lag ihr sehr am Herzen.
Conchitas geistlicher Auftrag beschränkte sich jedoch von Anfang an nicht nur auf den Umkreis ihrer Familie. Es scheint, als ob Gott durch ihre Person allen Christen, insbesondere den Laienchristen ein Beispiel geben wollte. Conchita führte ein normales Leben und wollte gleichzeitig aus tiefster Seele am Erlösungswerk Christi mitarbeiten.
Mit 27 Jahren nahm sie zum ersten Mal an Exerzitien teil, als Gott ihr ihre Berufung als Laie aufzeigte: „Dein Auftrag ist es, Menschen zu retten“.
In ihrem Tagebuch schreibt sie darüber: „Ich verstand nicht, wie dies möglich sein könnte. Es kam so überraschend und erschien mir unmöglich. Ich dachte, ich müsste mich selbst für meinen Mann, meine Kinder, unsere Angestellten aufopfern. Nichtsdestoweniger fühlte ich den starken Wunsch in meinem Herzen die wunderbaren Aussagen Gottes mit anderen zu teilen. Zu jener Zeit war ich mit meinen Kindern auf der Hacienda einer meiner Brüder. Ich versammelte einige Frauen um mich, um ihnen das, was ich in den Exerzitien gelernt hatte, weiter zu erzählen. Ihnen gefiel so sehr, was ich sagte, dass sie zu weinen begannen und bei mir beichten wollten. Letzteres hätte ich natürlich niemals zugelassen.“
Der zentrale Punkt der geistlichen Lehre Conchitas ist eine Liebe, die selbst vor dem Schmerz nicht Halt macht und die Einheit mit dem Herzen Jesu sucht. Sie schenkte Gott immer wieder von Neuem ihr ganzes Leben und er gab ihr das Versprechen: „Du wirst die Mutter einer großen geistlichen Familie sein“.
Conchita gab den Anstoss für die „Fünf Werke vom Kreuz“:
· das „Apostolat vom Kreuz“, eine Organisation für alle Christen
· der „Bund der Liebe“, eine Organisation nur für Laien
· die „Bruderschaft von Jesus, dem Priester“, eine Organisation nur für Priester
· die „Schwestern vom Kreuz“, eine kontemplative Ordensgemeinschaft für Frauen,
· die „Missionare vom Hl. Geist“ eine Ordensgemeinschaft für Priester, Diakone und Brüder.
Ihr besonderes Augenmerk galt dem Gebet für die Priester. Ihr war bewusst, dass die Priester eine besonders wichtige Aufgabe in der Kirche zu erfüllen haben und große Verantwortung für die geistliche Entwicklung der Gläubigen tragen. In ihren Schriften finden sich beachtenswerte Aussagen über die Aufgabe der Priester, wie sie ihr Leben für die Erlösung der Welt und zur Ehre des Vaters leben sollten. Conchita wollte ihre Lehre und die „Botschaft vom Kreuz“ der ganzen Welt mitteilen. Dies konnte sie allerdings nicht so ohne Weiteres tun. Sie musste sich Befragungen vor einer Kommission von Theologen und mehreren Überprüfungen stellen. Zuerst in Mexiko und dann auch in Rom wurden ihre Schriften und anschließend auch sie persönlich geprüft. Sie schrieb in ihr Tagebuch, „Ich sprach allein fünf Mal mit Papst Pius X.“
Mit P. Félix Rougier, einem französischen Maristenpater, stellte Gott Conchita einen nahezu heiligen Menschen zur Seite. Am 4. Februar 1903 während einer Straßenbahnfahrt, verspürte sie den inneren Impuls, zur Beichte zu gehen. Obwohl sie diesem Drang zuerst nicht nachgeben wollte, stieg sie dennoch aus und betrat eine Kirche. Dort traf sie auf einen Priester, der zwar gerade auf dem Weg zu einem anderen Termin war, sich aber trotzdem noch Zeit für sie nahm. Conchita beichtete und wurde sich plötzlich eines unwiderstehlichen Verlangens bewusst, mit dieser Person über die Werke vom Kreuz und deren Anliegen zu sprechen. Sie war über ihre eigene Beredsamkeit überrascht und noch mehr über die Reaktion des Priesters - er begann zu weinen. Später sagte P. Félix, diese Begegnung gab seinem ganzen Leben eine neue Ausrichtung und er erkannte den klaren Willen Gottes für sich. Er sollte an der Gründung einer religiösen Gemeinschaft mitwirken. Doch dazu bedurfte P. Félix als Angehöriger einer anderen Ordensgemeinschaft der Erlaubnis seiner Oberen, die er erst viele Jahre später erhalten sollte.
P. Félix musste nach dieser Begegnung zehn Jahre warten, bis er nach Mexiko zurückkehren durfte. Obwohl er und Conchita in dieser Zeit keinerlei Kontakt pflegten, ging die geistliche Entwicklung Conchitas weiter. Inmitten ihrer alltäglichen Aufgaben und Verpflichtungen, wurde ihre Verbindung zu Gott immer enger und konkreter.
Gott bereitete sie auf die größte Gnade ihres Lebens vor, so wie es ihrer geistlichen Berufung und ihrer besonderen Liebe für das Kreuz entsprach. Diese Gnade gewährte ihr Gott am 25. März 1906. Ihre Beziehung wurde so eng, dass ihr Herz ganz von ihm erfüllt war. Er nahm ihre ganze Seele in Besitz und wollte in ihr leben, um durch sie der Welt seine Geheimnisse weiter zu offenbaren. „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt ihn mir“. (Röm,...)
Das Zentrum der Spiritualität des Kreuzes, von dem auch im II. Vatikanum gesprochen wird, ist, dass Jesus als Opfer und Priester in uns lebendig sein will, um durch uns mit Hilfe des Hl. Geistes zur Ehre des Vaters den Menschen die Erlösung zu bringen. „Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst“. (Röm. 12.1)
Alle Christen, einschließlich der Laien sind eingeladen, zusammen mit Christus für die Erlösung ihrer Mitmenschen zu arbeiten. Dabei sollen sie den Geist Jesu in sich aufnehmen und die inneren Gefühle seiner priesterlichen Seele teilen. So verstanden geht die Erlösung der Menschen durch uns weiter. Dies ist auch der eigentliche Kern der Botschaft Jesu und des Kreuzes.
Conchita überließ ihr Leben voll und ganz Gott. Im Jahre 1913 unternahm sie auf Anraten Mong. Ibarras, ihrem damaligen geistlichen Begleiter, eine Pilgerreise nach Jerusalem. Diese Reise, in deren Verlauf sie auch Rom besuchte, war für sie unvergesslich. Ihre Eindrücke füllten einen ganzen Band (ca. Seiten) ihres Tagebuches.
„Ich war auf dem Kalvarienberg! Ich betete an dem Platz, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Dort wo er uns Maria zur Mutter gab, dort wo sein Herz durchstoßen wurde, flossen meine Tränen unaufhörlich und tränkten jenen gesegneten Boden.“
Im Jahre 1914 kehrte P. Félix Rougier nach Mexiko zurück. Und gründete schließlich am 25. Dezember die Missionare vom Hl. Geist. In dieser Zeit der mexikanischen Revolution litt die Kirche unter großer Verfolgung. Conchita betete aus tiefstem Herzen für ihr Land. Sie half Priestern, ermutigte alle Menschen in ihrem Umkreis, das Vertrauen in die unerschütterliche Hoffnung auf die Hilfe Gottes nicht aufzugeben.
In den letzten Jahren ihres Lebens spürte Conchita eine große Traurigkeit. Immer deutlicher zeigte sich das Kreuz an ihrem Horizont, jedoch war es ein hell erleuchtetes Kreuz, erfüllt vom Hl. Geist. Gott ließ sie die Verlassenheit von Christus am Kreuz spüren. In ihrer Seele war nur Einsamkeit. Sie sollte die Dunkelheit der Nacht, das Martyrium des Herzens erfahren. Sie nahm an der Einsamkeit Mariens nach dem Weggehen ihres Sohnes teil. Conchita setzte sich ihr Leben lang für die Kirche, für die Priester, für die Familien, für die Erneuerung der Welt durch das Kreuz ein.
Conchitas Sorge galt im Besonderen den Familien. Am 31. Oktober 1935 erkannte sie es als Gottes Wille und ihre Aufgabe, die geistige Erneuerung in den Familien zu unterstützen. Sie gründete eine Vereinigung, die kurz darauf die Zustimmung der Kirche erhielt. Sie wollte Anregungen geben, wie das Leben in den Familien in christlichem Sinne aussehen könnte. Ihr Ziel war nichts Außergewöhnliches: jeder sollte einfach nach besten Kräften seine Pflichten innerhalb der Familie in Anlehnung an die christliche Botschaft erfüllen.
Monsignore Martinez begleitete Conchita in ihrer letzten Lebensphase. Im Bewusstsein ihrer inneren Einsamkeit und totalen Hingabe an den Hl. Geist, sprach er während ihrer letzten Exerzitien über die „vollkommene Freude“.
Er schreibt: „Es bewegte mich zutiefst, in dem Raum Messe zu feiern, in dem Conchita nach langer, tapfer ertragenen Krankheit im Kreise ihrer Kinder gestorben war. Sogar in ihrem Sterben war ihr außergewöhnlicher Wunsch an dem erlösenden Leiden Christi teilzunehmen, sehr deutlich zu spüren.“
Als P. Félix nach ihrem Begräbnis am 4. März 1937 vom Friedhof zurückkam, sagte er, „Wir haben gerade eine Heilige begraben.“
Ihre Lehre war so tief und stichhaltig, dass sie Aufmerksamkeit in hohen kirchlichen Kreisen erregte. Monsignore Martinez sagte wiederholt über sie, „Conchita gehört zu den größten Mystikern in der Kirche.“ U. a. wurde sie auch mit Katharina von Siena verglichen, von der man sagte: „Das Bewundernswerteste an Katharina ist, mehr noch als ihr Leben, ihre Lehre.“
Conchita verehrte die hl. Teresa von Avila sehr und bat Gott, durch deren Fürbitte ihr die Gabe des Schreibens zu schenken. Ihr Gebet wurde erhört.
Würden all ihre Schriften veröffentlicht werden, ergäbe dies eine bemerkenswerte geistliche Bibliothek. Experten sagen, sie schrieb in einem wunderschönen spanischen Sprachstil, spontan, lebendig, doch klassisch, geprägt von ihrer mexikanischen Mentalität. Sie hinterließ uns eine enorme Anzahl autobiografischer Schriften, Briefen, schöne Aussagen über wichtige christliche Geheimnisse, sowie einige Abhandlungen über geistliches Leben, die auch Ratschläge für das Ehe- und Familienleben enthalten. Sie schrieb auch über das religiöse Leben und über das Leben der Priester, sowie über die Aufgabe der Laien in der Welt. Alle ihre Schriften beinhalten immense Schätze für die Kirche, sowohl geistlicher Natur, als auch im Hinblick auf die Aktivitäten der Laien.
Während des 2. Vatikanums wurde intensiv über die Heiligsprechung von Laien diskutiert. Auf Grund der Aktualität und der Bedeutung Conchitas Botschaft für unsere Zeit, wurde ihr Heiligsprechungsprozess bereits 1956 (?) eingeleitet, im Verlaufe dessen sie am 20. Dezember 1999 von Papst Johannes Paul II für „verehrungswürdig“ erklärt wurde.
Die Kirche Christi stellt uns eine Reihe von Heiligen und geistlichen Vorbildern an die Seite.
Eine hl. Teresa von Avila bleibt in der Beschreibung der geistlichen Etappen und der Erklärung des Wirkens Gottes in der Tiefe der menschlichen Seele unvergleichbar. Conchitas Botschaft dagegen berührt alle Aspekte menschlicher Existenz. Sie spricht alle Menschen an. Es ist eine Botschaft, die auf die aktuellen Fragen und Nöte der Christenheit eingeht. Sie ist eine Heilige für unsere Zeit.
Conchitas Schriften sind nicht methodisch aufgebaut, sondern spiegeln die Stufe ihrer geistlichen Entwicklung wieder und werden zunehmend umfangreicher und tiefer.
Der Hl. Geist ist Kern all ihrer geistlichen Lehre und diese lässt die Erlösung durch Kreuz sowie alle anderen Heilstaten im göttlichen Licht erscheinen. Sie meditiert gern über den Geist der Liebe, der vom Vater und vom Sohn ausgeht und die Dreifaltigkeit in Liebe vollendet.
In ihren Schriften findet man alle grundlegenden Themen der Christenheit (die Dreifaltigkeit, die erlösende Menschwerdung, das Geheimnis Marien, das Geheimnis der Kirche) und ebenso Ratschläge für das christliche und mystische Leben, sowie eine Beschreibung der christlichen Tugenden und Untugenden, und über das unaufhörliche Wirken des Hl. Geist in den Menschen. Ihre Lehre umfasst alle Bereiche geistlichen Lebens.